Sachsen, es reicht!

Kaum eine Woche vergeht, in der Sachsen nicht irgendwo negativ in den Schlagzeilen ist.
Allein die letzten Wochen geben zu denken.
In Dresden wird die Pressefreiheit mal kurz verletzt, ein LKA Mitarbeiter, der Zugang zu sensiblen Daten hat, entpuppt sich als Anhänger einer fremdenfeindlichen Bewegung, die überraschenderweise nicht vom Verfassungsschutz überwacht wird.
In Bautzen, fast schon unbemerkt, wird die Botschafterin für Demokratie, offensiv bedroht, dass man ihr mit Säure das Gesicht verätzen will.

Von all den anderen alltäglichen Vorkomnissen reden wir nicht. Vom alltäglichen Rassismus, von den kleinen Pöbeleien und Angriffen – weil es normal geworden ist.

Und dann Chemnitz.
Es ist immer wieder der gleiche Ablauf. Es kommt zu einer Auseinandersetzung. Ein Mensch stirbt. Schon das ist schlimm genug. Bevor irgendwelche Hintergründe klar sind, wird nicht etwa dem Toten gedacht sondern der Tod wird instrumentalisiert.

Neonazis rufen dazu auf, zu zeigen wer „in der Stadt das Sagen hat“. Das Stadtfest wird abgebrochen und ein Mob von 800 Menschen ziehen gröhlend durch die Straßen. Der Tod eines Menschen ist ihr Vorwand für Hass, für Angriffe auf Polizei, Andersdenkende und Menschen mit Migrationshintergrund.
An einem hellichten Tag in Deutschland zieht ein Mob durch die Straßen und fordert Lynchjustiz. Nein, dass ist nicht Deutschland 1933 aber es fühlt sich langsam so an.

Angefacht von PEGIDA, AfD und Neonazis, die der Gewalt den Weg bereiten, bricht sich diese ihren Weg.
Sie gröhlen „Wir sind das Volk“ und sie meinen damit die Ermächtigung zur Selbstjustiz.

Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt, es gibt keine Rechtfertigung für Hass und egal wer den Tod eines Menschen wofür auch immer instrumentalisiert, zeigt damit Anstandslosigkeit und verdient nur Verachtung.

All das geschieht in Sachsen, in dem Land, indem ich geboren wurde, lebe, arbeite. In dem Land, in dem ich mich seit mehr als 20 Jahren gegen Rassismus engagiere.

Wer es sehen wollte, konnte die Entwicklung sehen. Es waren nicht wenige die warnten. Aber oft genug wurde Ihnen kein Glauben geschenkt.
Es ist einfach Menschen auszugrenzen, die vor rechter Gewalt und Menschenfeindlichkeit warnen, und sie zu Linksextremisten zu erklären. In Sachsen ist auch das Alltag.

Es wundert daher nicht, dass die stärkste Partei in Sachsen nach den Geschehnissen von Dresden, zuerst die Presse verurteilt und den Vorwurf der Lügenpresse reproduziert. Es wundert nicht, dass die gleiche Partei zu Chemnitz keine Worte findet und schweigt.

Und es kann nicht wundern wenn viele Menschen, die nicht hier leben voller Abscheu und Unverständnis auf dieses Land schauen.

Aber es sind nicht wenige, die hier leben, die keine Rassisten sind, die in einer Demokratie leben und leben wollen. Die andere Menschen unterstützen, sich für die Gesellschaft und für Demokratie engagieren.

Allein diese verdienen es, dass man sie unterstützt und nicht einfach aufgibt und ganz Sachsen verdammt. Allein diese Menschen, die täglich egal ob in Bautzen oder Dresden, in Chemnitz oder Wurzen die Fahne der Demokratie hochhalten und die demokratischen Grundwerte leben, verdienen jede Unterstützung, die wir Ihnen geben können.

Und wir, dass sind wir alle, die für eine solidarische, demokratische Gesellschaft stehen und zwar egal woran wir glauben und welche Farben wir tragen.

Heute Abend rufen rechte Gruppierungen dazu auf nach Chemnitz zu fahren, offen wird gedroht Migrant*innen und Behörden anzugreifen. Der Mob schreit nach Hass.

Nein, ich kann nicht schweigen wenn Unrecht geschieht, ich will nicht wegsehen weil es mich etwas angeht. Das hier ist auch mein Land.

Lasst uns gemeinsam heute Abend nach Chemnitz fahren und klar machen, dass Menschenfeindlichkeit immer ein Problem ist.
Und ihr, die ihr nicht fahren könnt macht deutlich auf welcher Seite ihr steht.

Wir sind das Andere Sachsen – das Sachsen das demokratisch und tolerant ist.
Und wir brauchen eure Unterstützung. Lasst uns nicht alleine.

Anreise aus Leipzig nach Chemnitz, heute 16:10 Uhr Hauptbahnhof zusammen mit Leipzig nimmt Platz

Anreise aus Dresden: 15:30 Uhr Hauptbahnhof zusammen mit Linksjugend Dresden

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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