Die Verrohung der Sprache- eine Laudatio oder warum das Klimacamp Leipziger Land voller „extremistischer Gutmenschen ist, die terroristisch argumentieren.“

 

Es ist gemeinhin bekannt, dass wer in der Politik auffallen will, dieses Ziel leicht mit besonders drastischen Formulierungen zu erreichen vermag.
Das war bereits vor dem Aufkommen der Partei so, die man in Teilen als Wiedergänger der Nazis bezeichnen kann. Das Auftreten dieser Partei hat aber die an vielen Stellen dünne Firnis der Zivilisation beseitigt und den Blick auf das Eigentliche frei gelegt – auf das Geschrei und Gezänk und die aberwitzigsten Vergleiche.

Denn merke Vergleiche, sollen sie funktionieren, sind möglichst drastisch und gerne auch mit Tieren gespickt oder historischen Analogien.
Hauptsache es wird das, was der Absender als eigene „Wahrheit“ versteht, verbreitet. Die Verbreiterung richtet sich dabei nicht an den denkenden Teil der Bevölkerung, sondern es wird zum Vorschlaghammer der Sprache gegriffen auf das wirklich jedem/r klar werde, was die Stunde geschlagen habe. Genauigkeit, Logik, Präzision sind Tugenden auf die es in rauhen Zeiten nicht ankommt.

Die Zahl der Politiker*innen, die versuchen mit Kompetenz und Konsequenz zu überzeugen, scheint daher zu sinken während die Zahl derer deren Kompetenz ausschließlich in der Militarisierung und Terrorisierung der Sprache liegt, zu steigen scheint.

Für ein Land, dass einst als Land der Dichter und Denker galt, der Gebrauch einer feinen, fließenden und präzisen Sprache daher charakteristisch war, ist dies ein beklemmender Umstand. Ein Umstand, der übrigens nicht auf irgendeine Islamisierung zurückzuführen ist, sondern insbesondere von jenen Kulturverächtern, die meinen, dass gerade sie dazu auserkoren sind die Kultur zu schützen, höchstselbst betrieben wird.

Der Schutz der Kultur und damit der Sprache wird betrieben als „Selbstmord“ aus Angst vor dem Tod. Das ist doch mal was.

Kommen wir damit zu einem aktuellen Beispiel, dass die ganze Facette der sprachlichen Verrohung zeigt, hinter der doch nur der segensfromme Wunsch steckt: man möge bitte wahrgenommen werden, da sich sonst schon keiner Interessiert.

Ein Bundestagsabgeordneter aus Sachsen, einer Partei, die meint die Handlungen ihrer Politik aus religiösen Bezug herleiten zu können, wobei man anfügen muss das auch Sachsen weder Königreich noch Gottesstaat ist und viele Menschen mit ernsthaften religiösen Bezug gegen diese Politik aufbegehren, macht sich Sorgen um das Thema Braunkohle und das aktuell stattfindende Klimacamp.

Aber lassen wir den Herren, dem die Sonne offenbar nicht gut tut, selbst zu Wort kommen und erfreuen uns an seiner Botschaft.

„Es ist schlimm, dass eine Partei wie die Grünen mit Leuten paktiert, die Recht und Gesetz mit Füßen treten“, sagte Krauß. Eine demokratische Partei dürfe nicht Gruppen
unterstützen, die ankündigen, gegen Gesetze zu verstoßen. Die Kimacamper seien Öko-Extremisten und vergleichbar mit der Identitären Bewegung, die für sich auch in Anspruch nähmen, über geltenden Gesetzen zu stehen. „Auch für Öko-Gutmenschen gelten Gesetze“, so Krauß. Die Argumentation der Öko-Extremisten, sie wehrten sich nur gegen Gewalt, erinnere an das Demokratieverständnis der linksextremen
RAF. Friedlicher Protest sei in Ordnung, aber nur im Rahmen der Gesetze. Das Eigentumsrecht eines Bergbau-Unternehmens müsse respektiert werden, so der
Bundestagsabgeordnete.

„Gerade in diesen heißen Tagen können wir froh sein, die Braunkohle zu haben“,

Diese Mitteilung hat alles, was es braucht, um aus der eigenen Bedeutungslosigkeit herauszutreten mit dem stillen Schrei nicht nach Liebe sondern Wahrnehmung.

Zunächst mal ist wichtig, dass verallgemeinernd werden muss  was das Zeug hält. Alle Klimacamper, egal woher sie kommen, was sie wollen, sind „Öko- Extremisten“ und der politische Gegner wird gleich mit in die Haftung genommen.

Chapeau, möchte man begeistert in die Hände klatschen. In wenigen Zeilen werden gleich mal ganze Umweltschutzorganisationen, die campen und im Rahmen einer Sommerschule diskutieren, zu „Extremisten“ erklärt und damit mit geächtet.

Da das noch nicht reicht und vielleicht nicht alle in der Zielgruppe befindlichen die Brisanz verstehen muss nachgearbeitet werden. Die Schuldigen, von denen wir noch gar nicht wissen welche Tat sie begangen haben sollen sind nicht nur „Öko- Extremisten“ sondern auch „Gutmenschen“.

Der Leser solcher Zeilen, sitzt bang in seinem Stuhl. Denn jetzt ist alles klar: Umweltschützer sind „Extremisten“ und „Gutmenschen“. Unverzeihlich. Sodom und Gomoorha. Alles, ganz schlimm.

Da aber gerade das Wort „Gutmensch“ häufig von Rechten benutzt wird um Menschen zu diskreditieren, muss sich der Äußernde des Eindrucks erwehren, dass er selber rechts stehe. Hier baut der Bundestagsabgeordnete die Finesse ein, indem er den Vergleich mit der rechtsextremistischen, verfassungsfeindlichen Identitären Bewegung zieht.

Und weil das immer noch nicht reicht, vielleicht nicht alle die Identitäre Bewegung kennen und „Extremisten“ und „Gutmenschen“ noch nicht ausreicht muss noch eine Runde gedreht werden und der RAF Vergleich muss her.

Es handelt sich also nicht nur um „Extremisten“ und „Gutmenschen“, die mit Rechtsextremen auf einer Stufe stehen, sondern argumentativ sogar um Terroristen.

Da packt der Bundestagsabgeordnete ganz tief in seine ideologische Trickkiste und holt alles raus.

Ein Wortmeldung so schön, wie ein Hitzetag in der Hölle, schiefe Vergleiche, unzulässige Verallgemeinerungen, ahistorische Analogien und Gleichsetzung von links und rechts und das in wenigen Zeilen.

Das hätte auch die andere Partei, die gern in Sachsen regieren würde nicht besser hinbekommen.

Jede/r halbwegs politisch interessierte möchte ob dieser Zeilen klatschen und laut juchzen vor Freude. Dabei fällt kaum auf, dass Argumente zum Thema Kohle und Klimaschutz, also die Sache um die es eigentlich geht, nicht vorhanden sind. Also nicht mal ein bisschen, also gar nicht.

Merke, wenn man keine Ahnung hat und mit Argumenten nicht glänzen kann, dann wenigstens draufhaufen.

Übrigens hat das ganze auch funktioniert, denn solche derben, unsachlichen und völlig inhaltslosen Pressemitteilungen erregen eben mehr als nüchterne oder schlimmer noch komplexe Sachverhalte.

Was übrigens im Klimacamp passiert? Menschen zelten im Rahmen einer angemeldeten Veranstaltung und diskutieren über Wachstum, Klimaschutz und Klimawandel und kritisieren dabei die Kohleverstromung. Also mindestens mal wird dort die Weltrevolution geplant, wenn nicht sogar schlimmer 1elf!!!!!

An dieser Stelle möchte ich es genug sein lassen und auf einen Ausruf des ehemaligen Bundesaußenminister Fischer verweisen, vor seiner Zeit als Bundesaußenminister, der äußerte: „Mit Verlaub, sie sind ein Arschloch… “ und diese schöne Sentenz auf diese Situation sinngemäß anwenden.

Verrohen aber bitte richtig.

Alle, die sich davon überzeugen wollen ob die Umweltbewegung, die sonst eher im Verdacht steht etwas zu peacig zu sein, jetzt wirklich den Sturm auf die Barrikaden und mindestens die Weltrevolution plant kommen dann bitte Morgen nach Pödelwitz.

In dem Sinne gute Nacht Deutschland.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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