Über die Debatte #Özil

Ja, die Diskussion um den Nationalspieler Özil kann man führen aber diese Diskussion zeigt vor allen Dingen eins, die Spaltung der Gesellschaft lässt sich nicht mehr durch Fußball verdecken.

Es gibt an dieser Stelle keine richtige Seite und es überrascht, wer und in welcher Tonalität sich dazu äußert. Es zeigt, dass der Fußball immer schon politisch war und in Zeiten der Krise die Brüche offen zu Tage treten, die sonst durch den Erfolg gekittet werden.

Und es waren Fehler über Fehler, die alle Seiten gemacht haben.

Das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten von Gündogan und Özil war naiv. Zu Glauben dass damit keine politische Botschaft verbunden sei, war grenzenlos naiv.

Der peinliche Versuch des DFB mit gestellten Fotos Friede, Freude, Heiterkeit vorzutäuschen war peinlich.

Nach dem schlechten Abschneiden der DFB Elf, dass an zwei respektive einem Spieler festzumachen, war unanständig und zeugt von fehlender Selbstkritik innerhalb des Verbandes.

Man kann auch die Erklärung von Özil kritisieren, sowohl die Art und Weise, als auch die Tonalität. Was aber einige Medien machen (insbesondere der Boulevard) ist eine Relativierung von Rassismus.

Durch seine Rücktritt legt Özil den Blick frei auf den immer schon vorhandenen Rassismus im DFB und in Deutschland.

Die Aussagen von Heiko Maas, der meint dass ein Fußballmillionär der in London wohnt sich nicht zum Rassismus in Deutschland äußern könne, oder Julia Glöckner, die meint es sei ja nicht rassistisch Fotos mit einem Diktator zu kritisieren sind in Teilen verlogen und vertiefen die Spaltung.

Natürlich kann man die Fotos mit Erdogan kritisieren. Aber was auch an dieser Debatte deutlich wurde ist die Ausgrenzung von Deutschen mit türkischer Migrationsgeschichte in Deutschland. Es wird offensiv der Eindruck vermittelt: ihr gehört nicht dazu. Man grenzt sich ab um sich bei der nächsten Gelegenheit über die fehlende Integration zu beklagen, die man selber offensiv boykottiert.

Und soll man Heiko Maas zurufen, dass er ab jetzt bitte immer intervenieren soll wenn sich ein Deutscher der im Ausland arbeitet zu Wort meldet?

Und komischerweise verhandelt Deutschland mit Erdogan. Hat die CDU geführte Bundesregierung mehrere Deals mit dem „Diktator“ geschlossen, die vor allen Dingen darauf hinauslaufen, Menschen die fliehen soweit wie möglich von uns fern zu halten. Wo, war da eigentlich der Aufschrei, dass dies doch unanständig ist von denjenigen, die sich jetzt über Özil erregen?

Die Aussagen des Steuerbetrügers und Wurstfabrikanten aus Bayern, dass Özil ein schlechter Fußballer sei muss man nicht weiter kommentieren, in ihrer Dummheit sprechen sie für sich selbst.

Die ganze Debatte zeigt Bigotterie und Rassismus in Reinstform. Und die Debatte bricht jetzt auf, da kein Erfolg über all die vorhandenen Brüche hinwegtäuschen kann. Das Alles wäre die perfekte Gelegenheit um grundsätzlich über das System Fußball und DFB nachzudenken, dass nur noch auf Gewinnoptimierung ausgerichtet ist, über Rassismus und die Ausgrenzung von Menschen zu sprechen und zu überlegen, wie es dazu kommen konnte.

Allein es wird nicht dazu kommen. Die Hände reiben dürfen sich die Rassisten, die schon vorher der Meinung waren, dass die deutsche Nationalmannschaft keine „Nationalmannschaft“ sei.

Und das ist neben der gesellschaftlichen Spaltung der Umstand der wirklich besorgniserregend ist. Die ganze intellektuelle Dummheit, die Sehnsucht nach Sündenböcken, der offene Rassismus plus ein desaströses Krisenmanagement sprechen eine deutliche Sprache: der DFB und Fußball sind kaputt und waren nie unschuldig oder unpolitisch.

Vielleicht noch was zum Thema Fußball: Danke Mesut Özil für viele wunderbare Fußballspiele.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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