Warum die Übernahme von Themen und Sprache, die Rechten nicht schwächt sondern stärkt.

Nicht Fakten bedingen unsere Entscheidungen sondern ein bestimmter (kognitiver) Deutungsrahmen auch „Framing“ genannt.
Dieser Deutungsrahmen ist selektiv und entscheidet welche Fakten wir als wichtig/ unwichtig erfassen und zulassen und wird damit Grundlage unseres Handelns. Dieser Deutungsrahmen wird geschaffen. Und dieser Deutungsrahmen ist nicht nur selektiv, sondern manipulativ.

Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass Behauptungen ab einer bestimmten Anzahl an Wiederholungen als Tatsache verstanden werden und zwar unabhängig davon, ob sie wahr oder falsch sind. Die sozialen Netzwerke, in denen wir uns in bestimmten Gruppen zusammenfinden und deren Algorithmen uns immer wieder das anbieten, was wir auch in der Vergangenheit gesehen oder geliket haben und damit nur einen Teil der Wirklichkeit wiedergeben und verzehren, verstärken einseitig eine bestimmte Wahrnehmung.

Trotz des Umstandes, dass man in Deutschland so sicher lebt wie noch nie, ist die Wahrnehmung eine völlig andere. Und aus dieser Wahrnehmung, die immer wieder durch Politik bedient wird, folgt ein Handeln bzw. Forderungen nach einem Handeln.

Trotz des Umstandes, dass die Zahl an Schutzsuchenden deutlich zurückgegangen ist, dominiert dieses Thema die Politik, nach wie vor.

Die AfD, wird wahrgenommen über das Thema Asyl und Islam. Auf einen Großteil der Seiten der AfD dominiert die Angstmache gegenüber Geflüchteten allgemein und Muslimen in speziellen. Menschen, die sich nur in solchen Peergroups bewegen, bekommen häufiger Newsmeldungen mit diesem Inhalt angezeigt. Jenseits von realen Zahlen und der Realität entsteht damit der Eindruck, dass es eine reale Bedrohung gibt und man nicht mehr in Sicherheit lebt.

Die Übernahme dieser Themen durch andere Parteien führt nun wiederum dazu, dass die Behauptungen glaubwürdiger werden. Es entsteht der Eindruck, dass es tatsächlich ein Problem gibt.

Die Folge lässt sich derzeit gut bei Seehofer beobachten. Dank Seehofer erreicht die AfD neue Umfragerekorde. Die CDU/CSU kann davon nicht profitieren.

Noch gefährlicher ist es, neben den Themen, die Sprache der Rechten zu übernehmen. Dazu muss man sich bewusst werden, dass die Logik der Populisten die Erzählung von „wir gegen die“ ist. Marc Jongen, Hausphilosoph der AfD, will etwa den „Thymos“ wieder heben und versteht damit eine bestimmte Gefühlslage. Ähnlich sieht es bei Kubitschek und den Identitären aus, deren Handeln auf die Steigerungen der Wut gerichtet ist, auf das Spaltende, auf das hervorrufen eines bürgerkriegsähnlichen Gefühls, damit sich dann „das deutsche Volk besinne, wessen Blutes es sei.“

Die Spaltung der Gesellschaft ist daher nicht nur Nebenprodukt der Agitation der neuen Rechten, sondern deren Ziel.

Umso bestürzender ist es daher, dass immer mehr Parteien, bestimmte Wörter und Erklärungen der neuen und alten Rechten übernehmen und damit den Deutungsrahmen weiter verschieben.

Wer daher von einem „Kulturkampf“ spricht oder von einer Wahl zwischen „Schwarz/Weiß“, übernimmt auch unbewusst die Logik des Trennenden und trägt zur Verschiebung des Deutungsrahmens bei.

Eine Gesellschaft, die sich allerdings immer weiter aufspaltet und die keine gemeinsame Kommunikation mehr findet, funktioniert nicht mehr als Gesellschaft. Sie zerfällt in ihre Teile und in deren Folge nehmen Konflikte zu.

Wer daher für eine solidarische Gesellschaft streitet, muss sich auch mit dem Problem auseinandersetzen, wie mit der zunehmenden Aufspaltung der Gesellschaft umgegangen werden soll.

Und im Ergebnis heißt das auch, dass progressive Politik, eine progressive Sprache brauch.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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