Der Fall Susanna. – ein Kommentar

Ein junges Mädchen ist getötet worden. Die Hintergründe der Tat sind noch offen. Es gibt einen dringenden Tatverdächtigen, der das Land verlassen hat.

Er konnte das Land verlassen, da ihm die Botschaft seines Heimatlandes einen Passierschein ausgestellt hat. Ein Identitätsabgleich erfolgte offenbar nicht, Daten wurden nicht weitergeleitet, offenbar gab es auch keinen Haftbefehl.

Ja, der Fall wirft Fragen auf. Fragen, die unbequem sind und die wir diskutieren müssen. Wie konnte es dazu kommen? Wie können solche Taten verhindert werden? Warum konnte ein dringend Tatverdächtiger ausreisen?

Und einige der Antworten werden wehtun. Unerträglich ist es aber, in welcher Art und Weise der Fall instrumentalisiert wird, wieder einmal.

Der ganze rechte Narrensaum sieht sich in den Annahmen bestätigt, dass die Asylpolitik gescheitert ist. Die Frage, was das eine mit dem anderen zu tun hat, wird gar nicht mehr gestellt. Ausreichend ist festzustellen, dass der dringend Tatverdächtige (Nicht Täter. Täter ist die Person, die durch ein Gericht verurteilt wurde, bis dahin gilt die Unschuldsvermutung) ein Asylsuchender war.

Ohne Fakten abzuwarten, wird nach geschlossenen Grenzen gerufen. Unabhängig davon, dass diese Art der Delikte (schwerer sexueller Missbrauch mit anschließender Tötung) auch in Deutschland höchst selten sind – 2015 gab es 13 Fälle, 2016 11 Fälle – sind die Mehrzahl der Täter in 90 bis 95 % Deutsche.

Geschlossene Grenzen führen übrigens auch nur dazu, dass Schutzsuchende auf dem Landweg nicht mehr nach Deutschland einreisen können. Die Einreise über die Luft bleibt unbenommen und das Asylrecht als Menschenrecht, das auch in Deutschland noch gilt, bleibt bestehen.

Wer an dieser Stelle meint, die Asylpolitik sei gescheitert und dafür diesen Fall als Beweis nimmt, gibt sich als gnadenloser Populist zu erkennen, der billigend in Kauf nimmt, dass Hass und Angst geschürt werden. Es ist die Suche nach den ganz einfachen Antworten, die Sehnsucht nach den Schuldigen. Die Debatte wird bestimmt von niederen Reflexen.

Dem Mädchen und deren Familie, die Anteilnahme bedürfen, wird dadurch nicht geholfen. Sie werden instrumentalisiert. Am Ende triumphieren die rechten Dumpfbacken und der ein oder andere CDUler darf sich auf die Schultern klopfen, da er/sie dazu maßgeblich beigetragen hat.

 

 

 

 

 

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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