Äußerlichkeiten

Unsere Gesellschaft ist nach wie vor sehr stark von Äußerlichkeiten und darauf basierenden Erwartungshaltungen geprägt. Bereits mit dem Namen eines Menschen verbinden wir bestimmte Vorstellungen. Eine Untersuchung zeigt etwa, dass Menschen mit bestimmten Vornamen seltener etwas zugetraut wird – Kevin und Justin lassen grüßen.

Ebenso verhält es sich mit der Kleidung. Gut angezogene Schüler und Lehrer etwa gelten als intelligenter als andere. Und so weiter und so weiter. Wobei auch unsere Kleidung eine Wirkung auf uns selbst hat. Klassisch fast folgendes Beispiel: schlanke Menschen gelten als disziplinierter, dickere eher als Genussmenschen; schöne Menschen, also solche die gängigen Schönheitsbildern entsprechen verdienen im Durchschnitt mehr Geld, als diejenigen die es nicht tun; etc.

Die Werbung verkauft Schönheitsideale und schafft Bedürfnisse, die wir vorher nicht kannten und deren Fehlen uns nicht gestört hat. Wir verbinden verschiedene Vorstellungen, wie Personen in bestimmten Rollen und Positionen auszusehen und aufzutreten haben. Dabei zeigt es letztlich nur die Begrenztheit unseres eigenen Denkens und wie sehr wir in Mustern verhaftet sind. Nicht zufälligerweise sind Essstörungen vor allen Dingen  ein Produkt einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen vor allen Dingen nach seinem Aussehen berechnet.

Entscheidend sollte schließlich das Handeln eines Menschen sein und nicht wie er/ sie aussieht. Kleidung hat vor allen Dingen einen funktionalen Zweck. Angemessene Kleidung ist im besten Fall ein Zeichen des Respekts gegenüber anderen Menschen.

Das Bodyshaming als auch Fashionshaming also die Abwertung anderer Menschen aufgrund Kleidung und Aussehen immer noch weit verbreitet sind ist ein Signal dafür, dass unsere Gesellschaft weit weniger so weit entwickelt ist, wie wir gern glauben wollen. Wir alle sind Teil davon.

Die meisten von uns werden beides schon einmal gewesen sein: Täter und Opfer.

Gerade in bestimmten Diskussionen werde ich zum Beispiel etwa immer wieder wegen meines Äußeren attackiert. Offenbar verstehen viele Menschen nach wie vor lange Haare bei Männern als Zeichen der Ungepflegtheit und weiteres.

Ein Bild, das ich letztes Jahr auf meinem Instagram Account zum WGT veröffentlicht hatte, wurde äußerst beliebter Diskussionsgegenstand und diente vor allen Dingen rechten Gruppen dazu mich anzugreifen und war der Versuch mich verächtlich zu machen. Aber auch an anderer Stelle, in mir näher stehenden Gruppen und Parteifreunden, wurde darüber diskutiert ob das ein angemessenes Auftreten sei.

Die Aussage, die ich mit dem Bild vermitteln wollte war genau die gleiche wie heute: Bewertet einen Menschen nach seinem Handeln, nach seinen Aussagen und nicht danach wie er/ sie aussieht.

Umso ärgerlicher ist es dann, wenn einem selbst aufgrund emotionaler Betroffenheit, ähnliches unterläuft. Vor einiger Zeit habe ich jemanden in den sozialen Netzwerken darauf hingewiesen, dass eine kurze Hose bei einem offiziellen Anlass nicht dazu dient ernst genommen zu werden. Ungewollt habe ich damit eine Haltung bestätigt, die ich eigentlich ablehne. Die folgende Diskussion machte es nicht viel besser.

Jeder Mensch soll für sich entscheiden was er oder sie für richtig oder falsch hält. Nicht die Gesellschaft definiert die Norm sondern jeder Mensch selbst sollte einen Umgang mit Erwartungshaltungen und Konventionen finden, sich damit auseinandersetzen und einen Weg nehmen. Einen individuellen Weg und es steht niemanden zu über das Aussehen eines anderen Menschen zu urteilen, vor allen Dingen weil es völlig egal ist.

Und schließlich: Eine Entschuldigung an all diejenigen, denen ich bewusst oder unbewusst schon mal wegen Aussehen und Auftreten dumm gekommen bin.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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