Vermieterterror ein Fall aus Leipzig, im Protokoll

Wie erzählt man Sachen, die sich so unfassbar anhören, dass man sie nicht glauben kann. Am besten von Anfang an. In der Jahnallee 14 steht ein wunderschönes inzwischen baufälliges Gründerzeithaus, dessen Geschichte unglaublich ist. Es ist auch die Geschichte des Widerstandes.

2014 wurde das Haus erstmalig verkauft. Die Mieter  erhielten Ankündigungen zur Instandsetzung und Modernisierung. Geplant war offenbar das Haus nach und nach zu entmieten. Die erste Wohngemeinschaft ließ sich bereits Ende 2015 ausbezahlen.

Im Januar 2016 fiel die Heizungsanlage mehrere Wochen komplett aus, wahrscheinlich als zusätzliche Motivation, und wurde nicht instand gesetzt. Seit November 2015 hatten die Mieter mehrfach auf häufige Störungen der Heizungsanlage hingewiesen.  In der Folge war das Haus für fast 3 Wochen unbeheizt und in den Wohnungen Temperaturen von noch maximal 8 Grad. Erst eine einstweilige Verfügung zwang die Eigentümer dazu die Heizung wieder in Gang zu nehmen, Mietminderungen wurden angenommen.

Nach Verhandlungen verließ eine weitere Mietpartei das Haus, da in ihre Wohnung (Nur 1 Zimmer vermietet) fremde Bauarbeiter einquartiert worden waren. Auch in der gegenüberliegenden Wohnung, in der von 5 Zimmer nur 2 vermietet waren, wurde andere Mittel aufgezogen. Fremde Männer sollten von nun an in der Wohnung wohnen, ohne dass die 2 bisherigen Bewohnerinnen diese kannten und entgegen des Mietvertrages. Was folgte war eine Auseinandersetzung mit Wohnungsbesetzung, Polizei und am Ende des Verfahrens ein Vergleich das sich beide Mieterinnnen auszahlen liessen und gingen.

Die Verhandlungen mit einer weiteren WG und den anderen 3 Mietparteien im Haus, indem nun schon keine Reinigung mehr stattfand und kein Hausmeisterdienst vorhanden war, dauerten an. Kurz vor der Einigung, liess die Eigentümerseite die Verhandlungen platzen und reichte gegen die WG Räumungsklage ein und verkaufte Ende 2016 das Haus an den nächsten Investor. Dieser führte die Klagen weiter. Im Frühjahr 2017 wurde eine Klage im Vergleichswege beendet und eine weitere Klage auf Räumung durch das Amtsgericht abgewiesen, da das Haus inzwischen abermals verkauft war und die Klägerseite ihre Eigentümerstellung nicht nachgewiesen hatte.

Die neuen Eigentümer einigten sich mit 2 von den restlichen 3 Parteien, indem nun schon fast unbewohnbaren Haus und gingen gegen die letzte verbleibende Mieterin vor.

Innerhalb von 2 Jahren wurde das Haus 3 mal verkauft, weder Hausmeistertätigkeiten, noch Reinigung, oder eine ordnungsgemäße Abrechnung fanden statt. Eine Instandhaltung gab es nicht mehr.

Hier beginnt die Geschichte der letzten Mieterin, einer alleinerziehenden Frau. Seit fast 20 Jahren wohnt sie in diesem Haus, zahlt ihre Miete regelmäßig und wohnt störungsfrei. Alles was sie will ist ihre Wohnung behalten.

Der neue Eigentümer MCM lässt nichts unversucht um diese Frau loszuwerden, die als letzte Mieterin einer Komplettsanierung und dem Verkauf im Wege steht. Im Internet sind in der Jahnallee 14 Eigentumswohnungen käuflich zu erwerben. Ein Teil der Wohnungen sind bereits verkauft. Die letzte Mieterin stört.

Ohne dass es ein neues Instandsetzungs- und Modernisierungsschreiben gegeben hätte, wird Baumaterial im Haus abgeladen und das Haus zur Baustelle umfunktioniert. Mehrfach wird erneut die Heizung abgestellt.

Post- und Paketzustellung werden verhindert, da nach Anfrage von Postboten Bauarbeiter mitteilen, dass Haus sei unbewohnt. Im April folgt die Ankündigung Wasser, Abwasser und Heizung komplett einzustellen.

Parallel dazu zeigt der Eigentümer die Mieterin beim Gesundheitsamt wegen Kindeswohlgefährdung an, obwohl er Baumaterial nicht sichert. Daraufhin kommt unangekündigt der ASD vorbei trifft die Mieterin nicht an und stellt dann nach Rücksprache den Fall erstmal ein weil eine Kindeswohlgefährdung nicht gegeben ist. Das ASD meint aber, dass das Baumaterial vorsätzlich als Gefahrenquelle abgeladen wurde.

Abwasser und Wasser sind derzeit nicht vorhanden.  Nach einem fingierten Wasserrohrschaden wird das Wasser abgestellt. Ebenfalls Anfang Mai begeht ein Vertreter des Eigentümers Hausfriedensbruch dringt in die Wohnung der Mieterin ein um ihr ein Schreiben zu  übergeben – die Polizei muss gerufen werden. Der Vertreter der Eigentümer ist in diesem Moment leicht angetrunken, wie die Polizei notiert.

Die nächste Möglichkeit besteht darin, dass nunmehr der Eigentümer meint Hausschwamm im Haus gefunden zu haben. Innerhalb von 2 Wochen soll die Mieterin daher jetzt ausziehen. Dazu gibt es bislang kein Gutachten. Der Druck wird auf die Mieterin erhöht.

Das ist die Geschichte der Jahnallee 14. Das ist die Geschichte des Widerstandes einer Mieterin. Wir sollten sie unterstützen.

 

 

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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