Das ist allen Dingen gewidmet, an die ihr geglaubt habt- Leipzig ist schön gewesen.

Nackte Zahlen. Nackte Zahlen machen keine Angst, sind abstrakt. Was bedeuten schon Zahlen.

In den letzten Jahren sind die Grundstückspreise explodiert. Allein im letzten Jahr im Schnitt um 70%. Wohnungen verkommen zu Spekulationsobjekten.70%. Wohnungen verkommen zu Spekulationsobjekten. Die Entmietung Jahnallee 14 etwa, in den letzten Jahren mit 4 Eigentümerwechseln. Menschen sind da egal. Die Stadt boomt, die Preise explodieren und einige wenige profitieren. Globaler Kapitalismus zum anfassen und miterleben, mit all seinen Folgen.

Gleichzeitig liegt der Wohnungsleerstand von marktaktiven Wohnungen, im gedrechselten deutsch der schwer zugänglichen Wirklichkeit, bei 3 %. Was fehlt, sind Wohnungen im bezahlbaren Segment, dort wo diejenigen um das Wenige zum Leben rangeln, was prekäre Arbeitsverhältnisse und Hartz 4 abwerfen.

Siemeringsstraße etwa. Es wird saniert. Leipzig soll schöner werden. Erwartete Mietsteigerung nach Sanierung 634 %. Zahlen unfassbarer Größe. Schon werden die Wohnungen als Luxuseigentumswohnungen im Internet angeboten. Mit den Bewohnern muss man nicht reden, die werden sich das eh nicht leisten können. Wer stört kann weg. Geld hat man zu haben und wer es nicht hat muss weichen.

Karl- Heine Straße zum Beispiel: aus Wohnungen werden Ferienwohnungen. Der Leerstand wird verknappt, die Preise steigen.

Generös werden die Kosten der Unterkunft um 10 Cent erhöht. 10 Cent mehr pro Quadratmeter. Aber Wohnungen für 4,97 € in Leipzig – wo? Wo außer in den abgehängten Stadtvierteln, wo schon jetzt Trostlosigkeit und Kriminalität blühen.

Ist es noch meine Stadt, wenn die Reichen in ihren schicken Vierteln, gut bewacht leben, mit Mieten ab 10 € und der Rest in der Trostlosigkeit der Peripherie vegetiert?

Seit Jahren ist absehbar, dass Wohnungen im unteren Bereich der Preisspanne fehlen und das in einer Stadt, die gemessen am Durchschnittseinkommen immer noch zu den Ärmsten gehört. Neue Fassaden, schöne neue Welt – könnt ihr euch und wollt ihr euch 15 € pro Quadratmeter leisten?

Brachen verschwinden. Wo einst noch wilde Gärten und Parks waren, türmen sich jetzt neue Häuser. Schön und gut aber wer kann dort leben und wer will es – in den Betonoasen?

Thalysiashöfe neben dem Werk 2 für schlappe 15 € pro Quadratmeter neu. Wer kann sich das leisten außer diejenigen die SUVs fahren und Armut als Beleidigung ihres Lebens empfinden? Glaubt ihr, dass die neuen Bewohner das bunte Leben neben sich mit Applaus goutieren?

Der Druck auf Kreative, auf Freiräume, auf all die, die Leipzig zu dem gemacht haben was es ist, nimmt zu. Die schöne neue Welt frisst diejenigen, die sie erschaffen haben. Ihr nennt es Kapitalismus, wir nennen es seelenlose Gier.

Und ihr? Was werdet ihr tun?

Fast ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche, dass diejenigen die sich Leipzig kaufen auch Leipzig bekommen- dass Leipzig was es war- das wilde Disneyland des Unperfekten, wo Freiräume erkämpft und verteidigt wurden.

Wollt ihr warten, bis die nächste Mieterhöhung kommt, bis auch eure Wohnung verkauft ist und aus eurem Park ein schickes Loft geworden ist und euer geliebter Kellerclub bald eine Tiefgarage wird, so wie das 4rooms. Seid ihr diejenigen, die schweigend ihr Schicksal akzeptieren, sich über alles aufregen oder seid ihr bereit zu handeln, endlich herauszutreten und euren Unmut Luft werden zu lassen?

Ist das hier noch eure Stadt oder ist es die Stadt der Spekulanten und Immobilienhaie?

Es gibt viele gute Gründe etwas zu tun und es gibt wenig gute Gründe etwas nicht zu tun. Und ihr könnt euch entscheiden. Ihr könnt handeln, ihr seid nicht allein, denn ihr seid die Bewohner dieser Stadt und es betrifft auch eure Wohnung, eure Kneipen oder Club und euren Park und eure Nachbarn.

Am 20.04. trägt Leipzig für Alle die Wut auf die Straße. Und ihr könnt Zeichen setzen, euch einmischen und einreihen, anfangen zu handeln und sich dieser Demokratie zu bemächtigen und für eine solidarische Gesellschaft streiten für ein Leipzig für Alle.

Oder ihr schweigt, weil irgendetwas vielleicht doch wichtiger war und irgendwann die Kündigung auch bei euch im Briefkasten hängt.

Ich weiß in welchen Leipzig ich leben will aber wisst ihr es auch?

 

 

 

 

 

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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