Sachsens Landwirtschaft unabhängig von Pestiziden machen. Glyphosat-Ausstieg jetzt! – Einbringungsrede

Das nicht nur in Sachsen vom zuständigen Ministerium favorisierte Prinzip „Wachsen oder Weichen“ hat in den letzten Jahrzehnten den gesamten landwirtschaftlichen Sektor sozial und wirtschaftlich zu einem Pflegefall gemacht. Die Arbeitsbedingungen sind in der konventionellen Landwirtschaft der Natur entfremdet und haben industriellen Charakter.

Vor dem Hintergrund der aktuellen EU-Agrarpolitik und den aktuellen globalen Handelsbedingungen bleibt dem einzelnen Landwirt auch kaum die Chance, anderen Kriterien einen höheren Stellenwert einzuräumen. Das hat dazu geführt, dass die langfristige ökologische Verträglichkeit der praktizierten Bewirtschaftung aus dem Blickwinkel geraten ist. Neben der Belastung des Trinkwassers mit Nitrat und Bioziden ist die Bodenverdichtung eines der großen Probleme, welches sich aus dieser einseitigen Quantitätsorientierung in den Industrieländern ergibt.

Das Bild des Landwirts als freiem Unternehmer entspricht nicht dem von Betriebsmittelpreisen, Marktpreisen, globalen Handelszwängen und staatlichen Subventionen abhängigen Bauern, der zudem noch um soziale und ökologische Anerkennung in der Gesellschaft kämpfen muss. Die aktuelle konventionelle Landwirtschaft bietet kaum noch attraktive Arbeitsplätze oder Einkommensmöglichkeiten und daher auch kaum Zukunftsperspektiven. Der ökologische Landbau zeigt seit Jahrzehnten in der Praxis und in den letzten 10 Jahren mehr und mehr durch Forschungsergebnisse untermauert, dass es auch anders geht.

Gerade erst wurde nachgewiesen, dass kleinere Höfe umweltverträglicher sind als Großanlagen. Genau deswegen streiten wir für eine ökologische-nachhaltige Landwirtschaft, die nicht auf Masse sondern auf Qualität ausgerichtet ist und unsere Lebensgrundlagen nicht zerstört.

Und genau aus diesen Gründen müssen wir auch den Austausch mit den Landwirten suchen und mit Ihnen gemeinsam für eine andere Landwirtschaft streiten.

Neben den Problem der Verdrängung der bäuerlichen Landwirtschaft ist insbesondere der konventionelle Pflanzenanbau eine Gefahr für unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Die Studien, dass wir eine Rückgang von mehr als 80 % der Biomasse bei Insekten haben sind alarmierend.

Doch wie sie hören, hören sie in Sachsen dazu nichts. Keine Reaktion vom zuständigen Ministerium. Offenbar werden dort Insekten nicht wahrgenommen.

Beim konventionellen Pflanzenanbau kommen zur Düngung fossile und synthetische Düngemittel sowie Mist und Gülle zum Einsatz – mit all ihren schädlichen Folgen wie hoher Energieverbrauch, Nitratauswaschung ins Grund- und Oberflächenwasser durch Überdüngung, Trinkwasserbelastung, durch antibiotikaresistente Keime belastete Feldfrüchte sowie ein gestörtes Bodenleben. Der oftmals praktizierte Anbau in Monokultur und häufiges Befahren der Flächen mit großen Maschinen haben zudem einen geringen Humusgehalt, Bodenverdichtung und Erosion zur Folge.

In der konventionellen Landwirtschaft kommen Gifte zum Einsatz, die in ihrer Gesamtheit als Pestizide oder beschönigend auch als „Pflanzenschutzmittel“ bezeichnet werden.

Je nach Untergruppe wirken sie beispielsweise als Herbizide gegen unerwünschte Pflanzen (Beikräuter), als Fungizide gegen Pilze oder als Rodentizide gegen Nagetiere. Zahlreiche Insekten kommen durch Insektizide ums Leben.

Durch Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden auch Wildbienen und Schmetterlinge dezimiert, wodurch es wiederum zu einem Bestäubungs-Defizit kommt. Auch durch das Vernichten der Beikräuter wird ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen. Die durch die konventionelle Landwirtschaft forcierte Artenarmut bei Pflanzen, Pilzen, Insekten und Kleintieren wirkt sich letztlich auf die ganze Nahrungskette negativ aus und schafft darüber hinaus multiresistene Keime und Pflanzen, so dass der Einsatz der Mittel gesteigert werden muss und der Raubbau weitergeht.

Genau aus diesem sagen wir, es kann so nicht weitergehen. Wir dürfen nicht zusehen, wie die Kulturlandschaft durch den Einsatz von Giften leergeräumt wird und wir unsere Lebensgrundlagen zerstören. Wir sagen nein zu Glyphosat und zu Pestiziden. Wir streiten für eine Landwirtschaft jenseits der Vergiftung.

Wenn wir über Landwirtschaft reden müssen wir auch über Tierhaltung reden. Auch hier zwingt die aktuelle Politik des Landes zu immer größeren Tierbeständen.
Gerade einmal ein Dutzend Unternehmen haben den Tierzucht Markt inzwischen unter sich aufgeteilt.
Die Tiere werden – durch züchterische Auswahl und Missachtung ihrer Bedürfnisse – den auf Profitmaximierung ausgelegten Haltungsformen in der Massentierhaltung angepasst

Die hiesigen Gülle-Überschüsse mit all ihren Medikamentenrückständen und Krankheitserregern müssen wiederum entsorgt werden, was zur Überdüngung betriebseigener Flächen führt. Da meist nicht genug eigene Flächen vorhanden sind, müssen noch weitere Felder und Wiesen dazu gepachtet werden. Überdüngte Wiesen weisen wiederum eine geringere Artenvielfalt auf.

Die dadurch bedingte hohe Nitratbelastung des Grundwassers sorgt dafür, dass die Wasserversorger immer größere Probleme haben, Trinkwasser adäquat aufzubereiten. Trinkwasser könnte in etlichen Regionen Deutschlands in Zukunft spürbar teurer werden. Über 27 Prozent der Grundwasserkörper überschreiten derzeit den Grenzwert von 50 mg/l. Wenn die Nitrateinträge dort nicht bald sinken, müssen betroffene Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen, um das Rohwasser von Nitrat zu reinigen. Einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes zufolge kann dies die Trinkwasserkosten um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Das entspricht einer Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent. Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 € im Jahr mehr bezahlen.

Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).

Die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft für das Jahr 2016 belaufen sich auf auf etwa 66,8 Mio. t CO2 (Vgl. Verkehr: 160,8 Millionen Tonnen CO2).

Damit gerät das Ziel, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, immer mehr außer Reichweite. 2020 darf Deutschland nur noch 750 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent emittieren – 2016 waren es aber noch 906 Millionen Tonnen. 

Auch dies sind Probleme die wir angehen müssen, die wir als Grüne deutlich machen müssen. Denn viele Menschen sind bereit mit uns zusammen umzusteuern.

Wenn wir heute mit unserem Antrag klar sagen, dass wir die sächsische Landwirtschaft unabhängig von Pestiziden machen wollen gehen wir den ersten notwendigen Schritt hin zu einer ökologisch- nachhaltigen Landwirtschaft, die die natürlichen Lebensgrundlagen erhält.

Wir sagen damit ja zu

Trinkwasserschutz durch Wegfall von Bioziden und N-Dünger

Erhaltung und Unterstützung der Artenvielfalt in der Landschaft, sowie im Bereich der Nutzpflanzen und- tiere

Erhaltung einer vielseitigen Agrarlandschaft

Vermeidung von Bodenerosion und -verdichtung und damit Erhaltung unserer Nahrungsgrundlage Boden

Erzeugung gesunder vitaler Lebensmittel von hoher ernährungsphysiologischer Qualität

Durch eine ökologische Landwirtschaft ohne den Einsatz von Pestiziden werden jedoch nicht nur Folgekosten einer zu (energie-) intensiven, von natürlichen Regelmechanismen abgekoppelten Landwirtschaft vermieden. Durch seinen höheren Bedarf an Arbeitskräften und die Verarbeitungsgrundsätze bietet der ökologische Landbau auch Beschäftigungs- und Entwicklungsperspektiven im ländlichen Raum.

Dafür streiten wir. Das machen wir mit unserem Antrag deutlich. Ich darf euch um Zustimmung bitten.

Autor: juergenkasek

Lebe lieber ungewöhnlich. Rechtsanwalt, Politiker, Aktivist, Umweltschützer, Blogger, Sportler

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