Verkehrter Verkehr – über die Mobilität der Zukunft

Am Sonnabend den 03.06. fand anlässlich des europäischen Tag des Fahrrades eine Fahrrademo statt, die über den Leipzig Ring führte und für das Anliegen der Radfahrer werben wollte. Aufgerufen hatte unter anderen die Initiativen „Autofrei leben“, die die LVZ bemerkte und was zu erwartbaren Reaktionen in den Kommentarspalten führte. Angefangen von der klassischen Behauptung, dass „alle Radfahrer“ arbeitslos seien und Nichtsnutze, bis hin zu weiteren Beleidigungen und Vorschlägen, dass man mal eine Demo für eine fahrradfreie Innenstadt machen solle, erstreckten sich die Beiträge. Man darf vermuten, dass die meisten der Kommentatoren sich nicht die Mühe gemacht haben, sich mit dem Anliegen der Demonstration auseinanderzusetzen sondern die Überschrift lasen um dann ihrer angestauten Wut freien Lauf zu lassen. 

Am Ende beteiligten sich deutlich über 100 Personen bei der Demonstration und so konnte abermals die LVZ feststellen, dass die Fahrraddemo „gut gelaunt für einen autofreien Ring“ warb.

Von den Parteien hatten nur BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN offensiv Stellung bezogen und festgestellt:

„Diese Beschränkung (gemeint ist das die Straße ausschließlich Autos vorbehalten ist, Anm.) gehört angesichts zweier Entwicklungen aus unserer Sicht auf den Prüfstand: 1. Die Bevölkerungsdichte in den angrenzenden Stadtvierteln nimmt durch bauliche Verdichtung zu und 2. wurde die Leipziger Innenstadt in den letzten Jahren zur Fußgängerzone mit zeitlich stark eingeschränkter Radnutzung erklärt. Die steigende Zahl der Radfahrer*innen aber erhöht die Nachfrage nach Radspuren und Radfahrstraßen. Dieser darf sich der Leipziger Ring nicht verschließen. Wir vertreten seit Jahren die Haltung, dass unser Stadtbild nicht allein am MIV auszurichten sei“…

Das Thema „autofreies Leben“ hat bedingt durch weitere Zeitungsmeldungen mehr Aufschwung bekommen. So erscheint ein Gastbeitrag in der LVZ/ DNN, Beilage zum Sonntag, der folgende Utopie beschreibt:

wir gehen morgens aus dem Haus und sehen Grünflächen, entspannte Fußgänger und Fahrradfahrer, dazwischen ein paar Elektroautos. Diese Utopie sollte schon bald Wirklichkeit werden, wenn wir die Klimaschutzziele von Paris erreichen wollen.

Die Fakten zum Thema Radverkehr sind dabei einfach und schnell zusammengefasst.

Verkehrswissenschaftlich ist festgestellt, dass jeder gefahrene Autokilometer die Volkswirtschaft etwa 15 cent kostet, während ein gefahrener Radkilometer 16 cent Gewinnt bringt.

In Anbetracht des Pariser Klimaabkommens ist zudem eine deutliche Reduzierung der Anteile des motorisierten Individualverkehrs unabdingbar. Allein mit der Energiewende, die überdies stockt, lassen sich die Klimaziele und damit die deutliche Reduktion von Treibhausgasen nicht erreichen.

Ferner ist klar, dass 16 % der Wege eine Reichweite von unter 3 km haben, was bedeutet, dass hier das Rad ohnehin das schnellere Verkehrsmittel ist.

Weitere Gründe wären eine bessere Luftqualität, weniger Lärm und weniger Verkehrstote. Abgesehen davon ist der Stadtraum gerade in den Städten begrenzt. Anders ausgedrückt die Städte sind in der Regel nicht dafür gebaut, dass jede Familie mehrere Autos oder auch nur ein Auto hat. Dafür reicht der Platz nicht, was sich anhand der oftmals zugeparkten Straßen und der Behinderung von Radstreifen und Fußwegen feststellen lässt.

Damit ist eigentlich auch klar, dass gerade eine Stadt wie Leipzig gar nicht anders kann als verstärkt die Verkehrsarten des Umweltverbundes zu fördern und die Bedingungen für Autofahrer deutlich zu verschlechtern um einen Anreiz zum Umsteigen zu schaffen.

Gleichwohl die Debatte lahmt. Viele Autofahrer begreifen dies als Angriff auf ihre Privilegien. Das Auto ist immer noch der Inbegriff für Wohlstand und Bequemlichkeit. Die mit dem Auto verbundenen Probleme und Kosten werden ausgeklammert.

In der Kosten/ Nutzen Relation setzen viele Autofahrer eben nur den Kilometerpreis für den Treibstoff an und rechnen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten raus. Im Ergebnis ist Autofahrern dann oftmals günstiger als ein ÖPNV Ticket, darüber hinaus individueller und bequemer.

Um dieses Ungleichgewicht zu umgehen müsste die Stadt radikal umsteuern:

  • einfache, klare Wegebeziehungen für Fuß- und Radverkehr mit der Förderung von Radstreifen, Radstraßen und sicheren Abstellmöglichkeiten.
  • Autos aus den Stadtvierteln drängen und den Parkraum deutlich effektiver und konsequenter bewirtschaften um so einen Lenkungseffekt zu erzielen
  • den ÖPNV kostengünstiger gestalten, das Netz ausbauen und Fahrradmitnahme kostenfrei ermöglichen.

Damit dies gelingt muss vor allen Dingen der Druck erhöht werden und die Autolobby in die Defensive gedrängt werden. Es geht nicht darum Autos zu verbieten sondern Motivationsanreize zu setzen um das umsteigen zu erleichtern.

Gehen wir es an.

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